May 8, 2009: southern comfort…?

Filed under: Brands & Products, Misc — HCL @ 12:53 pm

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Seufz. Einer der Gründe, warum hier nicht so viel gebloggt wurde, ist, dass ich nicht in der Stadt war. Sondern im Süden. Und auf dem Weg sah ich direkt an der Autobahn etwas, was ich so noch nicht kannte. Eine sogenannte »Outlet City«. Ja, ich weiss inzwischen, dass es sowas auch hierzulande gibt, aber zu Ostern war mir das noch fremd.

Outlet Cities sind der konsequente Versuch, »Markenbewusstsein« und Schnäppchenmentalität unter einen Hut zu kriegen. Dazu baut man auf der grünen Wiese eine Art Pseudo-Altstadt, so dass der Besucher das Gefühl haben soll, durch reale Einkaufsstrassen zu flanieren, gleichzeitig werden die Anlagen für die Anbieter so effizient wie möglich gestaltet (Infrastruktur/Logistik/etc). Der Autobahnanschluss versteht sich von selbst.

Na, und ich hab mir dieses Ding in Kroatien mal angeguckt:

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Es heisst ROSES und befindet sich auf halber Strecke zwischen der slovenischen Grenze und Zagreb. Damit ist es sowohl aus Kroatien und Slovenien aber auch von Graz aus gut erreichbar und zusätzlich kommen viele Urlauber auf dem Weg zum Meer dort vorbei, was man an den Nummernschildern der Autos auf dem Parkplatz ablesen kann.

Der erste Eindruck beim Betreten ist merkwürdig. Alles ist konstruiert, künstlich. Unglaublich künstlich. Man denkt an Messebauten oder Deutsch-Amerikanisches Volksfest, aber statt aus Rigips und Spanplatten sind diese Kulissen aus Beton. Die Gebäude sind in einem kuriosen Mischmasch unterschiedlicher mediterraner Baustile gestaltet um die Illusion der Authentizität aufrechtzuerhalten. Und trotzdem strahlt das Ganze fast sogar Gemütlichkeit aus. Die Planer haben sich bei Allem etwas gedacht: die Proportionen der Häuser, die Sichtachsen, das eine oder andere Detail, alles wirkt auf den ersten Blick durchaus glaubhaft.

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Was nicht so recht in das Bild einer lauschigen Altstadt passen will, sind die Gegenstände, die an den Kulissen befestigt sind. Das sind einerseits sehr, sehr viele unterschiedliche CCTV-Kameras. Man steht ständig unter Beobachtung und ich fragte mich dabei, ob es nicht schon möglich ist, Besucherprofile zu erstellen und die mit den Kreditkartendaten abzugleichen. (»Sie haben drei Hosen bei uns anprobiert und wir wollen Ihnen unsere Kooperation mit >FitnessFirst< vorstellen«). Man weiss es nicht. Die anderen Gegenstände sind Lautsprecher. Lautsprecher, aus denen die gesamte Anlage nonstop mit Musik und Werbung beschallt wird. Hunde sind erlaubt, Musiker und Gaukler werden an Feiertagen über eine Agentur zentral gebucht. Immerhin sind ca. 90% der Shops tatsächlich vermietet, und zwar durchaus auch an internationale Marken. Es gibt einen Zigaretten-/Zeitungsladen und zwei Cafés, weitere Restaurants sind im Bau. Was sicher noch geplant ist: eine lustige Spielewelt mit Bällebad und eine Sportsbar mit Grossbildleinwand.

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Richtige Schnäppchen gab es im Übrigen keine. Das Angebot unterscheidet sich nicht wesentlich von dem einer durchschnittlichen realen Innenstadt. Die Frau, die mit ihrer Familie am Nachmittag neben uns zurück zum Auto schlenderte, meinte dann auch: »Wenigstens wissen wir jetzt, dass wir hier nicht nochmal herkommen müssen…«

Vor einiger Zeit las ich irgendwo, die Tendenz zu Einkaufszentren auf der Wiese würde die Innenstädte verkümmern lassen (Dabei waren aber eher die klassischen Malls und Einkaufszentren gemeint). Mag sein, dass auch solche Outlet Cities dazu führen, dass sich die weltweiten Marken immer seltener in den Innenstädten niederlassen wollen, aber das ist, meine ich, nur von Vorteil. Der Leerstand, der in manchen Kleinstädten schon recht auffällig geworden ist, liegt ja grundsätzlich nur an den überzogenen Immobilienpreisen für solche Geschäfte. Und sobald diese Preise notgedrungen nach unten korrigiert sind, haben auch lokale Anbieter wieder eine Chance diese zu mieten. Das hätte langfristig den Effekt, dass unsere Städte wieder ein eigenes Gesicht bekommen könnten und nicht eine Fussgängerzone copy-and-paste aussieht wie die andere. So schlecht wäre das nicht.

3 Comments »

  1. [...] gebloggt: southern comfort…? über eine Outlet City in Kroatien: http://blog.shopwindoz.com/2009/05/southern-comfort%E2%80%A6/ [...]

    Pingback by shopwindoz's status on Friday, 08-May-09 13:33:31 UTC - Identi.ca — May 8, 2009 @ 2:28 pm

  2. Give me strength - ob die das alles bei schlechtem Umsatz auch als Filmkulisse vermieten?
    Es gab letztes Jahr einen Artikel in der Sonntags-FAZ, das könnte der sein, den Du gelesen hast. Darin ging es u.a. darum, wie sich die Mall-Kultur in USA entwickelt hat und wie das alles hier erst noch bevorsteht (give me strength auch dafür…).

    Comment by a. — May 8, 2009 @ 5:29 pm

  3. Oh ja, Neufassungen von alten Schinken: Romeo arbeitet im Puma-shop und Julia bei Nike. oder so.
    :D

    Sonntags-FAZ? Kann sein, ich weiss es nicht mehr.
    Amerikanische Entwicklungen lassen sich glücklicherweise nicht 1:1 auf Europa übertragen (wie wir zB an Walmart gesehen haben). Ich glaube, dass unsere Innenstädte in absehbarer Zeit noch eine echte Chance kriegen. Nur für Drogeriemärkte – die Eiterpickel des Einzelhandels – bräuchten wir dringend Lösungen… :)

    Comment by HCL — May 11, 2009 @ 10:29 am

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